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Mit der Smart Factory neue Märkte erobern

Dätwyler IT Infra in Altdorf realisiert ihre intelligente Fabrik
Autor: Eraneos Group
Kontakt: Boris Ricken
Eraneos Group Smart Factory

Die Dätwyler IT Infra AG befindet sich in einem Projekt zur Realisierung einer eigenen Smart Factory und transformiert sich gleichzeitig hin zu einem globalen Service-Anbieter. In einem gemeinsamen Webinar mit Eraneos erläuterte Adrian Bolliger, Managing Director Europe, Dätwyler IT Infra und Richard Scheiber, Head of Production Engineering, Dätwyler IT Infra wie das Produktionsunternehmen bei der Implementierung seiner Smart Factory vorgegangen ist.  

Weshalb hat sich Dätwyler IT Infra für die Digitalisierung ihrer Produktion entschieden?

Mit der Digitalisierung der Produktion verfolgt Dätwyler IT Infra eine Reihe strategischer Ziele. Nebst der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Sicherung des langfristigen Erfolges standen dabei folgende Aspekte im Fokus für eine intelligente Fabrik:  


  • Sichern des Produktionsstandortes in der Schweiz
  • Schnellere Umrüstzeiten und weniger Ausschuss in der Produktion
  • Dank der Smart Factory agiler und schneller auf Kundenbedürfnisse reagieren
  • Mitarbeitende auf die Transformationsreise mitnehmen
  • Höhere Flexibilität in der Produktion und weniger Prozessfehler
  • Tiefere Herstellungskosten sowie weniger und kürzere Anlagenausfälle  
  • Erhöhen der bedarfsgerechten Produktionslosgrösse
  • Das Anpassen des Produktportfolios aus den internen Erfahrungen und somit das Ausweiten des zukünftigen Angebotes am Markt

Wie ging Dätwyler IT Infra nach dem Entscheid eine Smart Factory aufzubauen konkret vor?
Der Aufbau einer Smart Factory ist ein komplexes Projekt. Es involviert nicht nur verschiedene Technologien wie Internet of Things (IT), 5 G, etc. sondern auch völlig unterschiedliche Abteilungen. «Dieses Projekt ist aus dem Bedürfnis nach Daten im Shopfloor entstanden», erklärt Richard Scheiber, Head of Production Engineering und Projektleiter bei Dätwyler IT Infra.  
Eine Smart Factory involviert unterschiedliche Abteilungen und Technologien in einem Produktionsunternehmen

Für Richard Scheiber war klar: Er wollte mit den schon vorhandenen Daten die Produktion intelligenter steuern. Im alten Produktionssetup gab es zu viele Workarounds, Abstimmungen und Meetings, um eine optimale Produktionsmenge herzustellen. Somit entstand vor allem auf Shopfloor-Ebene das Bedürfnis nach mehr Daten und einer erhöhten Transparenz in den Produktionsprozessen.  


Diese Anforderung stand auf der obersten Stufe: Mit der intelligenten Fabrik sollten alle Rohmaterialdaten, Anlagen- und Qualitätsdaten über den ganzen Prozess für jedes Kabel rückverfolgbar sein. Zwar waren in der Produktion von Dätwyler auch schon vor der Einführung einer Smarten Fabrik viele Daten vorhanden. Doch zwischen den Anlagen pro Prozessinsel und vor allem zwischen den Prozessinseln selbst, waren diese nicht verknüpft. «Wir hatten viele Dateninseln und viel Papier.» erklärt Scheiber die Ausgangslage.  


Eine weitere Herausforderung war die Abhängigkeiten zwischen den Prozessschritten, die statt dokumentiert, in einem Prozess abgebildet oder analytisch nachvollziehbar, mehrheitlich in den Köpfen der Mitarbeitenden vorhanden waren. Die Transparenz und Verfolgung der Prozessschritte zwischen dem zeitlichen Materialfluss über den ganzen Herstellungsprozess waren schwierig und nicht nachvollziehbar. Aus diesen Bedürfnissen heraus entstand der Bedarf, den ganzen Prozess als Datenstruktur abzubilden.  

«Kabel sind nach wie vor ein wichtiger Teil unseres Gesamtangebotes», betont Adrian Bolliger, Managing Director Europe. «Doch unser Unternehmen in Altdorf bietet heute auch ganze IT-Infrastrukturlösungen an, sei es kabelgebunden oder auch wireless. Dätwyler IT Infra hat sich vom reinen Produktverkäufer in Richtung Use Case im Kontext von IT-Infrastruktur gewandelt», so Bolliger.  

Wie ist Dätwyler beim Aufbau der Systemlandschaft konkret vorgegangen?

Richard Scheiber lancierte das Projekt mit einem Gemba-Walk durch die Produktion, einer Methodik aus dem klassischen Lean Management. Auf diese Weise wurde der Dokumentiert wo welche Daten in der Produktion zur Verfügung standen und zukünftig stehen sollten. Dätwyler IT Infra stellte sich Fragen wie: «Welche Systeme haben wir schon, welche brauchen wir neu, um diese Anforderungen zu erfüllen? Wie können wir beispielsweise die Anlagendaten mit den Auftragsdaten verknüpfen?»


Im Video erklärt Richard Scheiber, wie Dätwyler beim Aufbau der Systemlandschaft konkret vorging.

Evaluation eines MES (Manufacturing Execution System)

Ein wichtiges Element für den Aufbau einer Smart Factory war die Einführung eines Manufacturing Execution System (MES) als Herzstück von Industrie 4.0. Dazu evaluierte Dätwyler zunächst einen MES-Partner, der über Expertise in der Kabelproduktion verfügte und die eigenen Produktionsprozesse im System optimal abbilden konnte. Folgende Funktionalitäten standen für Richard Scheiber im Vordergrund:  


  1. Auftragsmanagement, Materialmanagement (Batch) in Verknüpfung mit den Anlagenprozessdaten
  2. Betriebsmittel bzw. Werkzeugmanagement, Qualitätsmanagement und Instandhaltung
  3. Feinplanung


Mehr zum Thema MES finden Sie im Eraneos E-Paper «MES - Manufacturing Execution System - Der Schlüssel zur hochagilen Produktion?».


Durch die Konnektivität und den Einsatz eines MES werden unglaublich viele Daten generiert. Die Architektur der Smart Factory bei Dätwyler IT Infra hat die Planaufträge im ERP und die Fertigungsaufträge anschliessend zur Steuerung an das MES übergeben. Das garantiert eine direkte Verbindung aus den Aufträgen den Materialien und den Anlagendaten. Die Schnittstellen zum QM-System (Qualitätsmanagementsystem) sind derzeit noch in der Phase der Implementation. Das MES ist eine offene Datenbank, auf die jeweilige Auswertungstool zugreifen können.
Die Konnektivität zu älteren Maschinen in der Produktion herstellen

Eine weitere grosse Herausforderung beim Aufbau einer Smart Factory ist, dass Industriefirmen in der Regel nicht die ganzen Produktionsanlagen eins zu eins erneuern können (Greenfield) sondern die Smarte Fabrik auf einen bestehenden Maschinenpark (Brownfield) aufbauen. Dätwyler IT Infra hat in diesem Kontext bis jetzt ungefähr 50 Maschinen mit Konnektivität in der Produktion ausgestattet. Doch nicht alle Maschinen konnten sofort aufgerüstet werden. So gab es beispielweise diverse Maschinen, deren Steuerung nicht über eine OPC-UA-Schnittstelle verfügte. Hier arbeitete Dätwyler eng mit den jeweiligen Maschinen- und Anlagebauern zusammen, um die notwendigen Daten aus der Maschinensteuerung auslesen zu können. Von grossem Vorteil war für Dätwyler in diesem Kontext die Verfügbarkeit eigener, kompetenter Systemtechniker.  

Ein Learning aus Sicht des Managements: Konstanter Einbezug der Mitarbeitenden während der Transformationsreise bringt das Projekt zum Erfolg

In regelmässigen Meetings hat die Projektleitung von Beginn weg das ganze Produktionsteam einbezogen und die möglichen Vorteile einer intelligenten Fabrik mit Real-Time-Daten «beworben». So konnte die Projektleitung die Mitarbeitenden überzeugen, dass die Transformation für alle Beteiligten Vorteile schafft. Das Go-Live und die Schulung der Maschinenführer erfolgte im Dezember 2021.  


Ein kritischer Erfolgsfaktor für das Gelingen eines solchen Projektes ist aus Sicht von Adrian Bolliger, Managing Director Europe, die Selbstverpflichtung und das Involvement des Managements. Es muss die Balance zwischen Empowerment und Selbstengagement finden, Fehler zulassen und lernen mit Unsicherheiten und Imperfektion umzugehen. Insbesondere müsse man raus auf der Komfortzone und neue Dinge ausprobieren sowie die bestehenden Geschäftsmodelle überdenken.

Ein Learning aus Projektsicht: Schnittstellendefinition und die notwendigen Stammdaten zu einem früheren Zeitpunkt anpacken

Beim Start des Projektes für eine «intelligente Fabrik» empfiehlt Richard Scheiber als erstes die Stammdaten und Schnittstellen zu analysieren. Führt man neue Tools ein, hat man die Möglichkeit die Strukturen der Stammdaten zu hinterfragen und aufzubrechen.  

Mit der Smart Factory neue Märkte erobern | Wie hat Dätwyler IT Infra den ROI des MES-Systems berechnet, um das Projekt bewilligt zu erhalten?

Wie ist Dätwyler IT Infra vorgegangen? Welche KPIs wurden einander gegenübergestellt? Wo lag das Augenmerk?


Die Antwort dazu hören Sie im Audio, wie Dätwyler IT Infra bei der Berechnung der ROI vorgegangen ist.

Mit der Smart Factory neue Märkte erobern | Wie hat Dätwyler IT Infra das Thema Cyber Security gehandhabt?

Welchen Stellenwert hat das Thema Cyber Security für Dätwyler IT Infra? Warum hat Dätwyler IT Infra sich an die internen Richtlinien bei der Planung der Smart Factory gehalten?


Hören Sie im Audio, wie Dätwyler IT Infra beim Thema Cyber Security vorgegangen ist.



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Empfehlung aus Sicht des Managements für eine Smart Factory

Adrian Bolligers Empfehlung für eine erfolgreiche Durchführung des Smart-Factory-Projektes in Stichpunkte:  

  • Digitale Vision formulieren und bestehende Geschäftsmodelle überdenken
  • Raus aus der Komfortzone und neue Elemente ausprobieren
  • Einen guten Mix garantieren zwischen Empowerment und eigenem Engagement
  • Hohe Verpflichtung des Managements gegenüber dem Projekt  
  • Fehler zulassen und einfach Dinge auch mal ausprobieren
  • Lernen, mit Unsicherheiten und «Nicht-Perfektionismus» umzugehen
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